- Zwischen Vollzeitjob, Familie und Schlaf bleibt wenig Zeit. Meine freie Zeit geht in Projekte - nicht weil ich muss, sondern weil ich es liebe.
- Der Antrieb ist kein Karriereplan, sondern ein Reflex: Wenn ich sehe, dass etwas besser geht, will ich eine Lösung bauen.
- Was dabei entsteht, fließt direkt in den Hauptjob zurück.
Der Tag
Mein Tag hat die gleichen 24 Stunden wie jeder andere. Acht davon gehen für Schlaf drauf, neun oder mehr für den Job. Dazwischen liegt alles, was das Leben mit Familie ausmacht: gemeinsam frühstücken, mittags und abends zusammen essen, nach Feierabend eine Stunde mit meinen Liebsten spazieren gehen, der Kleinen vorlesen und sie ins Bett bringen. Danach verbringen meine Frau und ich bewusst Zeit miteinander - eine Serie, ein Gespräch, den Tag ausklingen lassen. Das ist nicht verhandelbar und soll es auch nicht sein.
Was danach übrig bleibt, ist Projektzeit. Meistens zwei bis vier Stunden, je nachdem wie der Tag lief. Es gibt kein Morgenritual, das mir auf magische Weise drei Extrastunden schenkt, keinen "Deep Work"-Block, den ich irgendwo zwischen Krippe und Büro versteckt habe. Es gibt nur die Entscheidung, worauf ich verzichte. Projekte sind mein Hobby. Andere gehen zum Sport, treffen Freunde oder werkeln in der Garage. Ich setze mich an den Laptop. Am Wochenende, wenn die Kleine Mittagsschlaf macht. An Feiertagen, wenn der Nachmittag frei ist. Im Urlaub, wenn abends alle schlafen. Diese Stunden sind meine Projektzeit - kein Opfer, sondern das, was ich freiwillig mit meiner freien Zeit mache.
Mein Antrieb
Wenn ich sehe, dass etwas schlecht gelöst ist und ich weiß, dass es besser geht, dann ist das Projekt im Kopf oft schon fertig, bevor ich die erste Zeile Code geschrieben habe. Die Architektur steht, die Datenstruktur ergibt Sinn, das Interface hat eine Logik. Und dann muss es raus. Nicht weil irgendjemand darauf wartet, sondern weil der Gedanke sonst weiter kreist und nicht aufhört. Das war vor 20 Jahren so, und es ist heute nicht anders.
So ist 12db.de entstanden. Bei einem Nischenthema, das mich fasziniert hat, gab es keine Lernplattform, die wirklich gut funktionierte. Also habe ich eine gebaut - Full-Stack, allein, in wenigen Wochen neben dem Job. Nach drei Monaten hatte sie über 300 aktive Nutzer, und inzwischen ist ein Fachartikel darüber im FUNKAMATEUR erschienen. Das war kein Karrierezug. Es war ein Jucken, das nicht aufhört, bis man kratzt.
Was ich dabei gelernt habe: Ich plane in Tagen, nicht in Wochen. Ein Projekt, das "irgendwann mal" fertig wird, wird nie fertig. Jedenfalls nicht neben einem Vollzeitjob und einer Familie, die zu Recht erwartet, dass ich präsent bin. Also baue ich in Sprints, die in mein Leben passen - nicht umgekehrt. Lieber an drei Abenden etwas Konkretes schaffen, als monatelang an einem Plan herumfeilen, der nie zur Umsetzung kommt.
Was es bringt
Ich habe Probleme gesehen, Lösungen dafür gebaut und dabei gelernt, was ich dafür wissen musste. Dann kam das nächste Problem, und der Zyklus begann von vorn.
Davon profitiert mein Hauptjob jeden Tag, und zwar nicht abstrakt, sondern ganz konkret. Automatisierung von Prozessen, die vorher manuell liefen. Bessere Datenflüsse zwischen Systemen, die nicht dafür gemacht waren, miteinander zu sprechen. KI-Lösungen, die tatsächlich im operativen Alltag ankommen statt in einer Präsentation zu verstauben. Nichts davon stand in meiner Stellenbeschreibung. Aber genau dort liegt heute ein großer Teil meiner Arbeit. Und vieles davon habe ich an eigenen Projekten gelernt, bevor ich es im Job einsetzen konnte.
| Im Projekt gelernt | Im Job eingesetzt |
|---|---|
| Full-Stack-Entwicklung (Python, Flask, SQL) | Interne Tools, Automatisierungen und HR-Tech-Plattform |
| Datenmodellierung und API-Design | Systemintegration zwischen Plattformen |
| SEO und Content-Architektur | Organische Sichtbarkeit ohne Mediabudget |
| Server-Setup, Deployment, Monitoring | Eigenständiger Betrieb statt Agentur-Abhängigkeit |
| KI-Integration (LLMs, Prompt Engineering) | KI-gestützte Workflows im operativen Alltag |
Der Lebenslauf zeigt, wo du warst. Die Projekte zeigen, wer du bist.

